Sprache lernenGeschichten, die Mut machen und zum Nachahmen anregen:

Büffeln in der Hütte

Bericht von Hans-Jürgen Standke,
Winsen (Luhe)

Vor über einem Jahr erreichte die Flüchtlingsthematik auch die Landeskirchliche Gemeinschaft in Winsen (Luhe). Pastor Markus Kalmbach, Initiator und Gründer des Internationalen Cafe‘s, fragte erstmalig an, ob wir unser Gemeinschaftshaus „Die Hütte“, das wie viele Gemeinschaftshäuser in der Woche oft leer ist, nicht für einen Integrationskurs zur Verfügung stellen könnten. Diese Anfrage löste dann eine ernsthafte Diskussion darüber aus, ob wir „unser“ Haus öffentlich und für Fremde zur Verfügung stellen wollten. Auch wenn nicht zu erwarten ist, dass die alle gewissermaßen zum Dank in unseren Gottesdienst gehen.

„Können wir uns als Christen davon abschotten“ Büffeln in der Hütte lautete eine grundsätzliche Frage, die nun im Raum stand. „Und wer repariert Geschirrspüler oder Klo, und macht es auch sauber? Schließlich halten wir unser Haus ehrenamtlich in unserer Freizeit in Schuss.“ lauteten eher pragmatische, aber ebenso wichtige Fragen. Schließlich wollten wir ja auch gute Gastgeber sein, wenn wir uns dazu entschließen würden.

Als um Ostern 2015 herum die Fragen dann drängender wurden, stand unsere Entscheidung fest: Wir machen das jetzt, und wagen Neues. Von Montag bis Freitag sitzen nun ca. 15 neue Mitbürger aus fast ebenso vielen Ländern bei uns und werden von Lehrkräften der Volkshochschule auf das Leben hier in Deutschland gründlich vorbereitet. Die Menschen fühlen sich bei uns wohl und auch wir freuen uns über sie.

FreizeitAnfängliche Bedenken, ob wir das in unserer Freizeit wirklich alles hinbekommen, haben sich erledigt. Irgendwie fügt sich alles immer so, dass es läuft. Auch die Sache mit dem Klo. Außerdem freut sich auch die Kasse über den kleinen Nebenverdienst. Aber als Gemeinschaft werden wir auch erinnert, geistig in Bewegung zu bleiben. So überlegen wir zurzeit, was wir für die Teilnehmer des Kurses tun können, damit sie nicht nur zum Lernen in die Hütte kommen.

„Wir freuen uns im Nachhinein, dass wir uns dafür entschieden haben“, sagt Hans-Jürgen Standke, der Vorsitzende der Gemeinschaft, heute und will so anderen Gemeinschaften Mut machen, die über Ähnliches nachdenken.

Fluechtlinge Vater und Kind„Den Flüchtlingen unser Haus und unsere Herzen geöffnet“

Bericht von Christoph Ehlermann, Salzhausen

„Wir haben die Flüchtlinge unter das Kreuz geholt, ihnen unser Haus und unsere Herzen geöffnet und ein positives Feedback bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar!“ Als sich kürzlich die Gottesdienstbesucher – wie immer am 3. Sonntag eines Monats – erzählten, was sie „Mit Gott erlebt“ haben, brachte jemand mit diesen Worten die Dankbarkeit zum Ausdruck über das gelungene Willkommensfest für die in Gödenstorf lebenden Flüchtlinge. 57 Neubürger – Paare, Ehepaare und Familien – aus Syrien, dem Irak und dem Iran sind derzeit in einer Containerwohnanlage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gemeinschaftshaus untergebracht.

Veranstaltet hatte das Fest der Helferkreis Gödenstorf. In dieser Initiative engagieren sich momentan insgesamt fast 60 Männer und Frauen, von denen etwa die Hälfte der LKG angehört. „Es ist eine Freude für mich, alle unsere neuen Nachbarn begrüßen zu dürfen“, sagte einer der beiden Koordinatoren des Helferkreises zu Beginn des Festes. Seine Rede wurde von dem Flüchtling Fahad simultan in die arabische Sprache übersetzt. Es wurden auch die Ehrenamtlichen willkommen geheißen, die dafür sorgen, dass sich die Flüchtlinge in Gödenstorf wohl fühlen. Unter den Gästen waren auch Ortsbürgermeister Eckhard Schröder und seine Frau Marlene.

Es wurde ein Überblick über die Aktivitäten des in mehrere Untergruppen aufgeteilten Helferkreises gegeben. So gibt es unter anderem eine Willkommensgruppe, eine Gruppe, die Deutsch unterrichtet, einen Fahrdienst, beispielsweise für Fahrten ins Krankenhaus, ein Fahrradteam und das Team „Freizeitgestaltung“.

Um das Grundstück der Wohncontaineranlage einladender zu gestalten, wurden Büsche angepflanzt. „Viele Menschen aus Gödenstorf und Umgebung haben unter anderem Fernseher für die Flüchtlinge und Spielzeug für deren Kinder gespendet“, bedankte sich der Koordinator des Helferkreises. Die Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde und dem Salzhäuser Hilfezentrum „InterZOB“, in dem Bedürftige und Flüchtlinge versorgt werden, sei sehr gut. Schließlich bedankte sich auch Neubürger Fahad im Namen der übrigen Flüchtlinge bei allen ehrenamtlichen Helfern für die herzliche Aufnahme.

Nach dem „offiziellen“ Teil gab es einen reichhaltigen Willkommensbrunch, für den die Helferkreismitglieder und andere Aktive verschiedenste Leckerbissen zubereitet hatten. Beim fröhlichen multikulturellen Beisammensein nutzten Flüchtlinge und Helfer gerne die Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen. „Wir hatten in Syrien ein Bekleidungsgeschäft, das im Krieg von einer Bombe vernichtet wurde. Wir sind sehr froh, dass wir hier so viele nette Menschen treffen“, erzählte ein Ehepaar, das nach gut einmonatiger Flucht in Gödenstorf angekommen war.

Auf einer großen Landkarte konnten alle zeigen, auf welcher Route sie geflohen sind, und aus welcher Stadt oder Region welchen Landes sie geflohen sind. Plötzlich wurden viele der Städtenamen ausgesprochen, die aus den Fernsehnachrichten so geläufig sind: Aleppo, Homs, Kobane, Damaskus …

Nach dieser guten Erfahrung mit sehr bewegenden Begegnungen entstand die Idee, mit den Frauen Weihnachtskekse zu backen, in privaten Küchen zuhause, und während der Advents- und Weihnachtszeit jedes Paar, jede Familie einmal bei jemanden zuhause zu einem gemeinsamen Essen einzuladen.

RettungsbootADEG-News – Zuflucht zu Gott:
Flüchtlinge ist das Wort 2016

Bericht von Michel Youssif, Hannover

Derzeit befinden sich weltweit fast 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Flucht und Vertreibung sind so alt wie die Menschheit. Zum Beispiel die große Völkerwanderung des 4. und 5. Jahrhunderts. Zwischen 1820 und 1850 gab es eine riesige Flüchtlingswelle von Deutschland nach Amerika. Ein weiter großer Exodus fand in der Zeit des Zweiten Weltkriegs statt. 14 Millionen Menschen befanden sich zum Kriegsende auf der Flucht.

Auch in der Bibel findet sich immer wieder Flucht und Vertreibung. Ob dabei Adam und Eva zu den ersten Vertriebenen zählen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall mussten Sie das Paradies verlassen und begannen in einem fremden Land neu. Abraham würde man heute als Wirtschaftsflüchtling bezeichnen. Mose war ein politscher Flüchtling.

Die jüdisch-christliche Tradition ist voll von Flucht und Migrationserfahrungen und sie haben tiefe Spuren in der Bibel hinterlassen, insbesondere auch die Erfahrung, dass Gott an der Seite der Verfolgten ist. Ich möchte im Folgenden von einem Flüchtling schreiben, der auf seiner Flucht Gott erfahren hat. Er heißt Samer und ist vor einem Jahr aus Syrien geflohen. Samar erzählt von seiner Flucht und einer gefährlichen Fahrt in einem total überfüllten Boot über das Mittelmeer. Nachdem der Motor des Bootes ausgefallen war, Haie um das Boot kreisten und Wasser in das Boot hineinlief, versuchte Samar über sein Hand Hilfe heranzuholen.

Samer war nicht nur der einzige Christ auf dem Boot, sondern auch der Einzige mit Englischund Französischkenntnissen und konnte so das Rote Kreuz alarmieren. Menschen auf einem weiteren Boot in Seenot konnten ebenfalls gerettet werden. So wurden insgesamt 600 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Ein großer Tanker, der nicht sehr weit von dem Boot entfernt war, nahm sie zuerst auf und die darauf folgenden Rettungsboote brachten sie weiter an die italienische Küste. Von hier aus ging die Flucht dann, bis nach Deutschland.

Diese Begebenheit erinnerte mich an Jona, der auf der Flucht war. Er wurde von dem Schiffsherrn geweckt. Er sagte zu ihm in seiner großen Not:
1. Steh auf, rufe deinen Gott an! (bete zu Gott!)
So ist die momentane Situation, in der sich die Flüchtlinge befinden. Sie kommen zu uns und rufen nach Hilfe, weil sie durch Krieg und Verfolgung in großer Not sind. Wir sitzen doch alle in einem Boot. Das fordert uns auf, zu Gott zu rufen und zu beten und ihn um seine Hilfe zu bitten. Er ist der lebendige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Gott sitzt in seinem Regiment und regiert. Nur mit Gottes Hilfe können wir die momentanen Probleme lösen. Durch das Handeln des Christen Samir wurden ca. 600 Leute gerettet.

2. Not lehrt beten!
In seiner Not betete Jona zu Gott und Gott half ihm. Gott hat Jonas Gebet erhört. Das ermutigt auch uns, in der Zeit der Not zu Gott zu rufen und um Hilfe zu bitten. „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“ Psalm 50,15

3. Zuflucht finden bei Gott
Gott lädt uns ein, Zuflucht bei ihm zu suchen! Er bietet uns einen Ort, wo wir hinkommen können – so wie wir sind, mit unserem Zorn oder unserer Verzweiflung, mit unseren Ängsten und Fragen, mit all dem, was uns bewegt, so ungeordnet es auch sein mag. Jesus spricht: „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Jesus ist unser Zufluchtsort. Zurzeit hat die ADEG folgende Angebote für Flüchtlinge:
1. Internationales Cafe
2. Sprachkurse
3. Beratung und Begleitung bei Behördengängen
4. Der arabische Gottesdienst
(wird auf Livestream übertragen, montags um 19.30Uhr (live) und sonntags ist die Wiederholung um 13.30Uhr. Internetadresse: Gott24.TV )
Mein Vorschlag wäre, dass die Gemeinden die Flüchtlinge eine Stunde vor der Übertragung einladen und etwas zu essen und trinken anbieten, um dann gemeinsam den Gottesdienst anzusehen. Zeugnisse und Predigten werden in arabisch-deutsch gehalten, die Lobpreislieder in arabisch gesungen.

Material für Sprachkurse - online bei Wycliff

Fertig ausgearbeitetes Material für Sprachkurse unter Flüchtlingen bietet die christliche Organisation Wycliff an. Eingeflossen in die Einheiten sind dabei die interkulturellen Erfahrungen der Bibelübersetzer. Das Material (PDF und andere Formate) wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Videoclips und umfangreiches Begleitmaterial unterstützen die Nutzer. 

Externer Link zum Material